B.O.B.

Liebe Leser/innen,
diese Geschichte wurde ursprünglich für den Geschichtswettbewerb von waaagh.de
verfasst, deren Abstimmung noch bis heute andauern soll. Ich wünsche allen Mitschreibsern viel Erfolg und gutes Voten! Da die Geschichte von waaagh.de nur eine begrenzte Anzahl an Wörtern zuließ, möchte ich diese Geschichte hier hin und wieder mit Fortsetzungen bestücken. Sie verläuft von unserem Verhalten im Open RVR unbeeindruckt und soll ein wenig epischer werden.
Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen. Wir sehen uns auf dem Schlachtfeld.
~Maunz

So unverhofft wir die Spielfiguren der Götter werden, so spüren wir doch ihre Macht, ihre Kraft und ihren Tatendrang in uns. Aber was geschieht mit unserem Mut, unserer Heldenhaftigkeit im Gefecht der Schlacht, wenn die Götter uns ihre Macht verwehren, der Tod ein endgültiger bleibt und wir ob ihres Willens nicht erneut auferstehen um in ihrem Namen zu kämpfen? Was ist, wenn wir aus dem Zustand wahrer Macht degradiert werden zu den Maden, den Ratten, die wir mit einem schmalen Stampfer zu zerschlagen pflegen?

Irgendwo im Irrgarten der Unvermeindlichen Stadt erwachte Bartholomäus Omn Bastón zu neuem Leben und herrlich prickelnden Macht. Während er sich seinen frischen Körper besah, spürte er wie Hass in ihm aufstieg und jegliche Spuren von Leid, die er in seinem kleinen Schädelgefängnis empfunden hatte, im Nichts verschwinden ließ. Mit einem irrwitzigen Lachen erhob er seine Arme und schwor der Betrügerin alles zu nehmen was sie jemals besessen hatte.

Sorcerer by Sumerky, deviantart.com

An einem anderen Ort, wenige Mondläufe später erwachte Maunz mit einem panischen Japsen aus ihrem alptraumhaften Schlaf. Ihr ganzer Körper klebte vor fieberhaften Schweiß, gleichzeitig zitterte sie als wäre ihr eiskalt. Mit einem halblaut stumpfen Jammern öffnete sie ihre trägen Augenlider und besah sich ihre Umgebung, die ihr plötzlich  verwirrender weise unbekannt erschien. Wo war das Zelt, in dem sie einen Tag zuvor eingeschlafen war? Wo war Pire, die bereits am hellen Morgen ihre dunkle Rüstung polierte?

Stattdessen befand sich die junge Zelotin in einem kleinen Raum mit verputzten Wänden, einem Spiegel an der einen Wand mit Tisch und Waschschüssel davor, einem Schrank an der Ecke, neben der die Tür angrenzt und hübschen blau gemusterten Blumenvorhängen, die mit dem lauen Wind des offenen Fensters spielten. Neben dem einfachen Bett, in dem sie wohl geschlafen hatte, saß eine ältere Frau in heller Robe der Heilerzunft des Imperiums. Sie registrierte sogleich, dass ihre Patientin aufgewacht war und strich sich lächelnd einige ergraute Strähnen hinter das Ohr während sie behütend die Decke an Maunz Körper zurecht drückte. “Du bist endlich wach.”

Maunz Augen rissen weit auf. Sie erschrak als die Heilerin ihre Hand nach ihr ausstreckte und drückte sich samt Decke zurück an den Bettpfosten. In der Hoffnung, dass man ihre Herkunft nicht erkennen würde, schwieg sie außerdem. Scheinbar hatte die alte Frau keine Ahnung wen sie dort in ihrem Bett behütet hatte, denn die Heilerin betrachtete sie weder mit Abscheu noch mit Angst, vielmehr glänzten ihre Augen vor milder Sorge und ehrlicher Hilfsbereitschaft.

“Es wird alles wieder gut. Du bist in Sicherheit. Niemand kann dir nun noch Leid antun.” Flüsterte die alte Heilerin beruhigend und tätschelte Maunz, die keine Fluchtmöglichkeit mehr nach hinten besaß. “Sigmar sei Dank hat dich der ehrenwerte Feuermagus der Akademie Altdorfs halbtot in Praag aufgesammelt und hierher gebracht. Deine Wunden verheilen gut.” Ihre Stimme war in mütterlicher Liebe kaum zu überbieten. “Der böse Alptraum ist vorbei, mein Kind.”

Sigmar… Feuermagier.. Alptraum?!

Tatsächlich spürte Maunz keine Macht mehr in ihren Fingerkuppen. Die Nähe zu Tzeentch fehlte, ja sogar die Stimmen, das leise Summen und Heulen des Rabengottes in ihren Gliedern verstummte und ließ Platz für eine undefinierbare Stille. Maunz war allein, machtlos und was noch viel schlimmer war – nun wo sie sich ihre Hände und Arme angesehen hatte und auch die alten Ritenzeichnungen auf der Haut vermisste – sie war weder eine Zelotin, noch von einem Gott auserwählt. Vielleicht war alles nur ein Traum gewesen? Vielleicht gab es weder das große Abenteuer ihres Lebens, noch Pire, die sie kennen und schätzen lernen durfte. Vielleicht war all dies wirklich nur ein böser, unglaublicher Traum gewesen… Oder doch nicht?
Im raschen Wechsel ihrer Gedanken blinzelte Maunz mehrmals, betastete die Seite des Bettes wo sie ihren Fokus Pyra und das alte Häutungsmesser vermutete. Beides war jedoch nicht mehr da. Ihr Herz pochte stärker in ihrer Brust. Sie fühlte sich hilflos, gelähmt. Noch nie war sie so allein.

Krampfhaft schüttelte Maunz den Kopf. Das konnte nicht wahr sein! Das durfte nicht wahr sein!
“Ist sie wach?” Eine männliche Stimme drängte sie aus den Gedanken. Kannte sie diese Stimme denn nicht? Unverkennbar, verschmitzt, charmant.. so bösartig durch und durch!

Noch bevor Maunz den Kopf erhob, wusste sie, dass ihr wundervolle Retter, der Feuermagier, den die alte Frau beschrieb, niemand anderes als Mäxx war. Sie war sich nicht sicher ob dies nun ein Wink des Schicksals, ein übler Scherz der Götter, oder die Gewissheit sein sollte, dass sie doch war was sie zu glauben schien.

Prüfend, doch äußerst vorsichtig, entgegnete sie Mäxx Blick. Er lächelte, ja er lächelte sein spitzes, freundliches Fuchslächeln, das Lächeln bevor er schnippte und seine Gegner mit einem intensiven Platzgeräusch auseinander sprengte. Allein das Lächeln war Antwort genug.

“Ich hole Euren Freund, Ehrenwerter.” Die Heilerin erhob sich von ihrem Stuhl, lächelte Mäxx lediglich entgegen und verließ den Raum. Stille breitete sich aus. Maunz hörte nur noch das Hämmern ihres Herzens, sowohl in der Brust als auch ihrem Kopf. Es war kaum auszumessen welches stärker war.

Mäxx ließ sich Zeit, schlenderte erst zum Tisch und der Waschschüssel. Dort betrachtete er sein eigenes Spiegelbild, welches auch ihr entgegen sah und lächelte weiterhin als gäbe es einfach keinen Grund sie nicht mit aller Freundlichkeit zu strafen.

“Du möchtest mir sicherlich einen wirklich guten Grund geben wieso du völlig allein, ohne einen Funken böser Energie und Zeichen der Chaosgötter bewusstlos gefunden wurdest.”
Versteift, nervös und verwirrt wagte Maunz keine Antwort zu geben. Vielmehr beobachtete sie misstrauisch die Hände des Feuermagiers. Vielleicht hatte er ja bald vor zu schnipsen.

“Koldar fand dich. Weißt du es ist nicht einfach für einen Hexenjäger eine Hexe wie dich am Leben zu lassen.” Weiter ging Mäxx nicht darauf ein und taxierte das verstörte Gesicht von Maunz. Er erlaubte sich eine rhetorische Pause. Vielleicht erhoffte er sich auch, dass Maunz zu sprechen begann. Doch als sie weiterhin schwieg, führte er fort und wandte sich endlich vom Spiegel ab und drehte ihr den Körper zu. Seine Arme verschränkte er lässig und lehnte sich leger an den Tisch an. Das war Mäxx, durch und durch.

“Aber vielleicht hat er ja eine besonders perfide Vorliebe für Hexen wie dich.”
Und weiterhin schwieg Maunz, knallhart. Sicherlich würde keine Folter ihr Schweigen brechen!
“Sollte ich dich erst entzünden um sicher zu gehen, dass deine bösen Segnungen fort sind?”

“Sie sind fort! Und sie waren eine Gabe! Du.. du bist hier der, der böse, gemein und.. hinterhältig ist! Wieso.. verstehe ich dich überhaupt?!” Maunz plötzlicher Redefluss erschrak kurz beide, doch Mäxx schien sich schneller von dem Schock zu erholen und schmunzelte belustigt auf. Scheinbar hielt er das alles für ein Spiel, eine witzige Vorstellung ganz allein für ihn.

“Aber ich bitte dich, meine Liebe, hinterhältig war ich sicherlich nie. Vielleicht nur nachvollziehbar nachdrücklich. Wer mag es schon mit einer Glefe bedroht zu werden, mh?”
Koldars plötzliches, lautloses Erscheinen beendete den kleinen Streit zwischen den beiden. Anders als Mäxx hatte Koldar ein fast ausgeglichenes Wesen. Er sprach nicht viel, erlaubte sich sein eigenes Urteil über eine Situation und verhielt sich ruhig. Das machte ihn zu einem präzisen Mörder.
Mit schweren Schlucken wich ihr Blick nun nicht mehr von dem Hexenjäger. So nah war sie Koldar noch nie gewesen, außer er hielt seinen Revolver direkt zwischen ihre Augen und flüsterte ein Gebet zum Wohle ihrer Seele.

Plötzlich übermannte Maunz das ganze Ausmaß ihrer Situation. Gestern noch wäre sie vor beiden geflüchtet, im Zickzack gesprungen, die segnende Macht Tzeentch angefordert und vielleicht, mit viel Glück, wäre sie auch davon gekommen. Aber hier und jetzt war sie nur eine einfache Frau, nicht mehr als Gewürm, nicht mehr als eine Kanalratte im Untergrund der Stadt.

Obwohl Koldar nicht sprach, wurde die Luft stickig. Jeder Atemzug wurde schwerer.
“Was.. was habt ihr nun vor?”
“Nun, meine Liebe.” Da Koldar nicht oft zu sprechen pflegte und Mäxx dafür allzu gern seinem eigenen Redefluss lauschte, war es kein Wunder wer ihr diese Frage beantworten wollte.

“Ich denke, dass wir uns beide da einig sind…” Dabei nickte er versonnen, fast brüderlich zu Koldar. Dieser reagierte nicht, was Mäxx veranlasste einfach weiter zu sprechen: “…wir sind uns also einig dass dieser Krieg gute Gegner braucht, damit er in seiner unendlichen Langatmigkeit nicht allzu.. langweilig wird. Ein solches götterfürchtiges Ende klingt an sich äußerst… wundervoll… wirkt auf mich jedoch ein wenig naiv. Falls es tatsächlich so enden soll.. mit… dir, meine Gute… so wollen wir es doch endgültig beendet wissen. Ich bin sicher deine gute Freundin wird gern her kommen und nach dir sehen wollen.”

“Ihr dürft Pire nichts tun!”
Mäxx nickte ein paar Mal, ohne dass er es so wirken ließ als würde er auf die Worte der jungen Frau im Bett eingehen.
“Es wird dich sicher freuen, dass Koldar bei dir bleiben wird, während ich mich um einen Schrieb an deine Freundin kümmere. Sicherlich weißt du auch wo ich diesen am besten abschicken sollte.”
Maunz schwieg.
“Ja, das dachte ich mir.”

Mit den Worten – und seinem immer währenden Lächeln – verließ Mäxx den Raum.
Am selben Tag wurde der Botensnotling entsandt. Die Adressatin war Pire.

* * *

Pire war außer sich vor Wut. Gemeinsam mit Somberly, Shaziboom und Shasi durchquerte sie Praag auf der Suche nach ihrer Heilsklavin. Ihre Wut ließ sie an ihrer Echse aus, die die knallharten Stöße mit einem Schnappen der Luft und gequälten Geräuschen kommentierte. Die anderen Dunkelelfen an ihrer Seite waren viel entspannter, teilweise auch belustigt darüber wie wichtig dieser Mensch der Gardistin geworden ist.

“Findest Du nicht, dass Du auf dem Markt noch eine viel bessere Zelotin ergattern kannst?” Neckte die Jüngerin des Khaine Shasi Pire.

“Vielleicht auch eine, die weniger jammert und effektiver heilt.” Setzte Shaziboom trocken nach während Somberly Pire ruhig von der Seite taxierte und mit sichtlichen Vergnügen feststellte wie sich Pires Hände um die Zügel verkrampften. “Es war ein Fehler euch mitzunehmen.” Waren Pires verbitterte Worte. Sie stieß die Fersen fester in das Fleisch der Echse und trabbte schneller an.

“Nicht doch…” wollte Somberly vermitteln und deutete auf einen Maschinisten, der sein Geschütz gerade am Märtyrerplatz aufstellte. “Fragen wir doch einfach ob der Stumpen etwas weiß.”

“Eine gute Idee.” Shaziboom sprang von der Echse und deutete mit dem Stab auf den Zwergen, der kreidebleich wurde und sofort um sein Leben rannte. “HALT!” Die Dunkelelfen jagten ihm hinterher. Hier, da, dort, wurden Formeln gemurmelt und urplötzlich erstarrte der Zwerg im ewigen Eis. Shaziboom riss die Hand durch die Luft und der bewegungslose Körper des Zwergen zersprang.

Langsam trabbte Pire näher und besah die Überreste des Zwergen. Somberly, die wie Shaziboom verwundert herab sahen, zuckten die Schultern. “Kann passieren. Macht nichts, fragen wir einfach einen anderen.”

Schon wandten sie sich ab und verfolgten den nächsten flüchtenden Imperialisten.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s